Gedichte ab 2020




Fließende Wasser ...                
(Gedanken an Karoline von G.)

Drängende Zeit, wuchernde Ungeduld,
Den Ketten einengender Kräfte trotzen.
Aufbegehren, Kampf wider die Stacheln,
Genährt aus den Böden der Unvernunft.

Doch die selbstauferlegten Fesseln,
Jenes Amalgam aus Leid und Liebe,
Fiktion von schönem Schein fern von
Sein und unerträglicher Wirklichkeit,
Verweht, verschwunden, versunken:
In eine Welt vergeblicher Worte.

Frausein als Selbstverständlichkeit:
Nicht als Fremdgedachtes, schon gar
Kein Schmuckstück; nicht Objekt
Männlicher Geltungssucht und Macht!
Sich selbst definieren und dabei doch:
Weiterhin einfach Frau sein dürfen.

In den Zeitläuften sich einbetten, jedoch:
Nicht bedingungslos, nicht folgsam.
Das Lied unbeschwerter Liebe singen!
Ach! Welch trügerische Hoffnungen:
Hingehalten, ausgebeutet, erniedrigt.
Auf den einsamen Weg verwiesen.
Der Arzt als akribischer Wegbereiter:
Der Drang nach Perfektion bis zum Ende.
Ihr Herzblut rinnt in das Erdreich nieder.
Die Wasser des Rheins ziehen ihre Bahn.

Die Welt in Prosa, Poesie und Phantasien
Gekleidet, »Leben im Traum und doppelt
Leben«, so in ihrem »Liebe« besungen.
Fortleben nur »durch einen Irrthum der
Natur« erklärt. Diesen Irrtum wenige
Tage später lebensmüde korrigiert.

Weiterleben in Worten und Gedanken,
Unvergessen für Verstehende, Sehende:
Den Lauf der Dinge nicht aufgehalten:
Dem Winkel im Herzen treu geblieben.

(Fagusarua 04.08.2020)




Suchet jetzt die Tage so zu färben,
der Moment hält seine Farben treu,
daß, wenn nach und nach die Freuden sterben,
bleibender Genuß im Rückblick sei.

Johann Gottfried Seume




Amselmann

O, flieg' nun mein schöner Amselmann,                               
Er wird mir sehr  fehlen dein Gesang:
Ich hoffe so sehr er hat auch dir gebracht,
Wofür er täglich ward von dir gedacht ...
Ohne dich wird Zeit sicher etwas leer
Und ich hoffe sehr auf deine Wiederkehr.
Bestimmt wirst du mir tagtäglich fehlen:
Diese Sehnsucht läßt sich nicht verhehlen.
Ob wir uns bald einmal auch wiedersehen?
Wer vermag Schicksale schon verstehen!
Wohin die Winde dich auch treiben mögen,
Tief im Herzen bist du mir stets zugegen:
Dort nisten sie all die schönen Melodien
Auch wenn die Klänge sanft weiterziehen;
Und sollten die Moiren sich doch entscheiden,
Ein Wiedersehen uns dann doch zu verleiden,
Uns voneinander bald aus alledem loszureißen:
Sollte einem von uns die ewige Sonne gleisen
O, Amselmann, der Gedanke ist mir so bang
Auch wenn er irgendwie bleibt dein Gesang.

(FagusArua 22.08.2020)





       


                                                                                     


Wunschphantasie                          
Fliegen wenigstens einmal nur:
getragen auf eigenen Schwingen.
Gehüllt im schlichtem Federkleid
hoch hinauf; fern der allzu nahen
Wirklichkeit: entfliegen, hoch ...
Abstände erkreisen, weit fort von
alltäglicher Niedertracht und dem
Geplärre ekelhafter Aufgeblasenheit.
Flügel ausbreiten weit, weit, weit:
Wesentlichkeit erahnen, von hoch
oben sehen, was wirklich wichtig.
Wünsche reduzieren hinein in die
Überschaubarkeit: sehr distanziert
zu jenen drögen Wiederholungen.
Kreise ziehen, getragen vom Wind,
Wege vom Gold der Sonnenstrahlen
gezeichnet, die Blicke geleitet in das
Traumhafte anderer, neuer Welt.
Fliegen irgendwann sicher landen
am Horizont neuer Möglichkeiten:
Wirklichkeit neu zeichnen, leben,
das Federkleid wieder ablegen ...

(FagusArua, 17.07.2020)







       



Die Krähe und der »Wander-Aff(e)«  *)
Hoch oben kreist eine Krähe nun schon wieder eine lange, lange Zeit,                       
ist schon mal den Niederungen entflogen und blickt aus großer Höhe
auf all das, was weit unten da sich so alles gräßlich die Zeit vertreibt:
all die Ungemach jedoch trotz dieser Distanz gefühlt schlicht zu nah!
So schimpft und mahnt sie kritisierend hinunter: Krah, Krah, Krah!

Da sind auch die vielen Ruhigen, die Klugen, ja: die guten Leisen,
sich rücksichtsvoll bewegend in ihren eigenen heimischen Kreisen:
die völlig entsetzt auf all den eindringenden Pöbel reagieren,
eine Spezies von Mensch die tut sich für gar nichts genieren.
Lärmen, Brüllen, Rempeln ist ihr Lebenselixier, ohne geht es nicht,
rücksichtslos und egoistisch zeigt sich einmal mehr der urbane Wicht,
überfällt all die schönen Wälder, Berge, Täler, Seen  und auch Auen!
Die Natur vernimmt's stumm geduldig mit einem sehr großen Grauen:
Wie kann man denn nur so unendlich herzlos und uneinfühlsam sein!
Diese Oberflächlichkeit ist mehr als eklig, stimmt auch die Krähe ein,
das Krähentier hat Mitleid mit all denen die so überfallartig betroffen:
Beobachtet wie vergebens all die Minderheiten auf Besserungen hoffen,
allein das bleibt ein sinnloses Unterfangen ohne Hoffnung auf Glück,
denn jene lassen neben Zügellosigkeit auch Spuren aus Müll zurück.

Und den Einheimischen, die all dies ganz entsetzt erneut vernehmen,
meinen jene Leute müßten sich irgendwann doch gräßlich schämen,
von dieser Meute sie zwanghaft staunend kaum ihre Blicke abwenden,
will die Krähe versuchen das Los zu mindern und Trost zu spenden:
sie kräht hinab mit mitfühlend Ton: »O, laßt doch besser das Gegaff',
so kommt er immer in steter Regelmäßigkeit der Wander-Aff!«

Selbst der Krähe ist's ein Graus: immer wieder diese Pöbelhaftigkeit!
Auch wenn sie kann fliehen gekonnt ganz hoch hinaus und sehr weit;
aber manchmal verweilt sie auch dort unten weil jenen halt überlegen,
sieht dann aus der Nähe wie jene ihr an Intelligenz nicht kommen nah:
sie zeigt denen dies ganz deutlich dann mit ihrem Krah! Krah! Krah!

(Fagusarua 04.08.2020)

*) Der Idee zu diesem weiteren, neuen "Krähen-Gedicht" liegen eigene Beobachtungen in einer herrlichen Wandergegend zugrunde. Natürlich betrifft dieses Verhalten nicht alle Urlauber, jedoch sind es viel zu viele, die sich nicht an Regeln halten, denen vor allem Nachhaltigkeit egal zu sein scheint. Sie lärmen, unterhalten sich lautstark, brüllen gar, sodaß sie über weitere Entfernungen stets zu vernehmen sind, stören damit die Idylle und "Botschaften" der Natur. Einige von dieser Anti-Natur-Spezies vermüllen zudem hemmungslos eigentlich noch intakte Biotope und Gegenden.
Daß es Einheimische gibt, die zwar vom Tourismus leben (müssen), gleichwohl (gerade auch deshalb) ein ganz besonderen Anspruch auf Respekt genießen sollten, ist jener Spezies offensichtlich gleichgültig.
Wenn dann die Bewohner jener schönen Gegend die lauten, disziplinlosen Eindringlinge, fast schon magisch angezogen, betrachten (müssen), ein Blick der dem weitverbreiteten "Gaffen" ähnlich ist, jedoch inhaltlich damit hier wohl eher nichts zu tun hat, wird das von den Störern kaum groß zur Kenntnis  genommen, um daraus die richtigen Verhaltenskorrekturen vorzunehmen. Von der "Krähe" aber sehr wohl! Sie versucht, Trost zu spenden und verweist auf die Normalität der eigentlich "Unnormalen", auf das offensichlich Unveränderbare. Ganz besonders fällt deren Verhalten such in den schwierigen Corona-Zeiten auf: Da drängt man pulkartig in die zwei Busse, die Touristen zu den entfernteren Ausflugszielen karren, Abstand spielt gar keine Rolle, Maskenschutz für viele ebensowenig und die eine einzige vorhandene Absperrung zur Lenkung des Besucheransturms wird mißachtet. Inmitten des Pulks dann eine Person mit der vielsagenden Aufschrift "Ordnungspersonal" hilflos und entsprechend dann auch untätig ...


       






                                                                                                                                                                                                                                                                                
Geburtstagsgedicht (2020) -- eine Trilolgie  (fagusarua, Oktober 2020)

I

Auf Wolken oft weit des Nachts geflogen
Tags von geraden Wegen häufig abgebogen
Die lauen Winde zumeist ganz vermieden
All die Einfaltspinsel schroff fortgetrieben
Und bei allem Streben Hoffnungen hegen
Im steten Tun Beschaulichkeit gut pflegen
Gewiß der tiefen Lust den Raum gewähren
Dabei sich in Geborgenheit sanft ernähren
Sinne zu den schönen Hügeln schweifen
Spüren wie doch fordernd Kräfte reifen
Kein Jubelschrei und niemals Lorbeerkranz
Gezeigtes Mißachten gegenüber Arroganz
Da bleibt kein Zaudern auch kein Bangen
Welch flammend Feuer schürt Verlangen
In Wirklichkeit wächst gar das Träumen
Um dann möglichst keinen Wert versäumen

Und Jahr für Jahr schwindet die Zeit so dahin
Gedanken fliehen oft längs einer Freudenbahn
Bisweilen sucht man vergebens nach dem Sinn
Und fängt erneut das Spiel dann von vorne an

So ergreife stets was sich greifen läßt beizeiten
Laß deine Sekunden nicht sinnlos entgleiten
Doch bei allem was dich drängt zum Sehnen
Denk' immer auch an das Abschiednehmen


II

Grautöne im Durcheinander
Medialer Verseuchung widerstehen
Herzlosigkeit bannen
In tiefste Schluchten weisen
Falschen Lockungen entgegentreten
Regenbogen suchen
Dem Wind folgen
Wege aus dem Labyrinth

Grautöne in Bunt überführen
Den eigenen Herzschlag prüfen
Puls der Zeit hinterfragen
Wehende Sommerkleider einer
Vergangenen Zeit
Schattenspiele an Vorhängen
Schlösser an den Brücken
Sinnbilder von Verlorenheit

Hinter wehendem Schleier
Gesicht der Unschuld
Melodien schwinden hinweg
Tanzfeste der Einfältigen
Trostlose Versuche von
Rhythmik in Stillständen
Wörterstakkatos endlos
Ohren taubschalten





III

Der Herbstsonne wärmende Strahlen
In die Gemüter aus Alltäglichkeit
Der verbreiteten Unordnung mit spielend
Schritten im raschelnden bunten Laub
Entfliehen und ein Ständchen pfeifen
Begleitet vom Gesang der erhabenen
Krähen hoch oben in all den Lüften
Marienkäfer zeigen Wege zur Einkehr

Wegweiser der Natur als Oasenpfade
Drohende Zeigefinger aus dummen
Hüllen der Ignoranz und menschlicher
Rückständigkeit mißachten und nur
Mehr farbenfroher Vielfältigkeit folgen
Abkehr von Schönrednerei und List
Von Täuschung und tumben Stillstand
Belehrungssucht als Gegnerschaft sehen

Träume aus erspürter Leichtigkeit des Seins
Schweben auf gedanklicher Vielfalt
Absage an Kettenhundendaseinsweisen
Widerstand gegen Besserwisserorgien
Schlüsseltage als Besinnungsmomente
Nutzen und Versuche der Einkehr erleben
Geburt und Tod als eine innere Logik sehen
Und dazwischen eben täglich gestalten





Lust

Wir sind auch für die Lust geboren                        
Weshalb sollte sie man dann verneinen
Nicht nur für Alltägliches auserkoren
Deshalb sich oft genußvoll tief vereinen

Nicht nur den schnöden Mammon jagen
Nicht auf die oberflächlichen Rufe hören
Von deinem Herzen nesthaft fortgetragen
Vermag die Umwelt kaum mehr stören

Und zusammen all jene Lieder singen
Die mit den vereinten Herzen klingen
Mit allen Sinnen sich ganz ergeben
Mit Lust auf bunten Wolken schweben

Sich auf anschmiegsame Federn betten
Oder still auf feuchtem Moos verweilen
Sich innig ineinander ganz verketten
Und jeglicher Unruhe dann gar enteilen

Haut auf Haut und Herz im Herzen
So laßt uns dieses Glück genießen
Befreit dann von alltäglich Schmerzen
Mögen andere Sonnen sprießen

(fagusarua 25. 10. 2020)




Einfach nur leben ...

Es dürstet nach bestimmter Welten Rundungen
Die Sehnsucht nach der so sanften Hügelwelt
Dies Wandern in feuchtwarmen Waldgefilden
Tief hinein umschlungen fern der Alltäglichkeit
Dem Rhythmus unendlichen Reichtums folgend
Gleichwohl Sonnenlicht auf Haut und im Herzen

Waldspaziergänge
Höhenerkundungen
Nahwege und Fernweh
Sehnsucht stillen

Unergründliche Landschaft immer wieder neu                   
Jungfräulichkeit dieses immerwährend Lebens
Innehalten und drängende Aufgeregtheit zugleich
Ein Verweilen wo andere nur in Hast entfliehen
Den süßen Melodien lockender Naturschalmei folgend
All jene bekannten Wege immer wieder neu erleben

(fagusarua, 25. 10. 2020)


Im Kurpark

Perspektive aus dem Waldsofa
Auf der Relaxbank sich rekeln
Wellenliege als Aussichtspunkt

Sich windende Wege
     überschaubar
     geordnet
     gepflegt
Sinnhaftigkeit an Ordnung
     auffällig
     dezent
     beachtet
zumindest weitgehend

Zwischen Blumenrabatten
     schlängeln sie sich entlang
     teilweise mühsames Weiter
     aber auch Altersexplosionen
verbal
durch Bewegung
mit Auffälligkeit

Beachtet werden
Welt erneuern
     oder fortschreiben
     bisweilen verzagen
     lauthals klagen
Mitunter Führungsambitionen
Führerhaftigkeit als Elixier

Bühne der Posen und Parkettglätte
     in bunter Mischung
     bescheiden
     größenwahnsinnig
Selbstüberschätzung als Melodie

Noch ein paarmal laut auflachen
     extra laut
     weit vernehmlich
     Lebenssignale
Den Windungen der Wege folgend

Ein Kaleidoskop der Herbstlichkeit
     aber auch der Zumutungen
     sowie an Verdrängungen
Bisweilen im Lauten auch Stille

Perspektive aus dem Waldsofa
Auf der Relaxbank sich rekeln
All die Wege sinnhaft aufspüren
Herbstfarben in die Augen
     fließen lassen
Auf der Himmelsliege das
     gemächliche Treiben schauen                                              
Immer wieder die Augen schließen
Die Vergänglichkeit der Zeit riechen                                     

Wellenliege als Aussichtspunkt                                                                             
     zwischen Verzweiflung
     vagen Hoffnungen
Die Erkenntnis das Überall von
Kurparkidyllen erkennen

(Fagusarua 19.10. - 24.10. 2020)
































































Reminiscing (a song with the same title by Buddy Holly, too)

Welch unauslöschliche Blickrichtungen und bleibend lebendige Eindrücke ...



Wie schön war es dort vor langer Zeit und wie unerträglich ist mittlerweile das extrem verdichtete Geschehen ... (links der Ort der "Begegnung", längst auch sehr stark verändert, rechts die Taverne "Corali" im neuen "Ambiente" der lästigen Eingrenzungen ...) Wie überhaupt dort Hektik, Lärm und Oberflächlichkeit zunehmend das Bild zeichnen. Wer hier das geruhsame Griechenland sucht, wen es nach der Beschaulichkeit früherer Zeiten dürstet, wer in Matala "Langsamkeit" ersehnt, wird sicherlich enttäuscht sein. Aber auch hier gilt wie so oft: durch antizyklisches Verhalten und durch das Aufsuchen anderer, leicht zu findender und vom Trubel nicht allzu entfernter Wege kann man durchaus noch das "griechische Gefühl" finden und erleben.




Matala, März 1998, Abendstimmungen, Zeiten von Begegnung, von der die Seele streifenden Windböen, Zeit der streunenden Hunde, Zeit der Überschaubarkeit, Zeit der Geborgenheit,




A u s s i t z e n

Warum denn auch all die Probleme lösen
Gehört man dann oft doch zu den Bösen
So sie drängend hinter Mauern bannen
Und fest verdrängen in den Untergrund
Verscheuchen all jene Seelentyrannen
Und fest hoffen man bleibt dabei gesund

Warum denn staunen
hört man es raunen
sich schnell entziehen
ehrlich' Antwort fliehen
und einfach abwarten
Die Zeit mischt die Karten

Laß die Tage einfach verrinnen
Möge das Herz sich besinnen
Nicht mehr dies störend Beben
Zurück zum gewohnten Leben
Den Wortschatz einfach schließen
und so sei dann schnell abgewiesen     

Man spürt nicht einmal mehr ein Beben
und geht vorbei am ausformulierten Leben

Weshalb auch heftig um die Lösung werben
Probleme abwarten bis sie einmal sterben

Die Wahrheit ist eben einfach relativ
So wuchert halt auch der Lüge Mief

(Fagusarua)






























Wer sein Fähnchen immer nur nach dem Wind richtet,
könnte mitunter schnell in falsche Gegenden gelangen;
wer überwiegend nur auf Antworten durch andere baut.
wird bald seinen Geist in eingekerkertem Dasein finden.




Einsiedler

In frühen Jahren plötzliche
Erkenntnis: üblichen Alltag
fliehen zu müssen.
Leben abseits der anödenden
Zivilisation zu führen:
Exodus in den Wald.

Von nun an: gottgefällig und
Heilige Maria huldigend leben.
Besinnung im Lebensweg.
Der Beginn mit Mariengrotte
und schlichter Behausung:
allmählich wachsend.

Willkommenschor über all
den Wipfeln durch Scharen
frohlockender Krähen.

Fortsetzung von Pilgerfahrten
fortan auf eigenen Pfaden:
Siedlungsbauten.
Kapellen, Grotten, Pfade
bunt gesäumt und schmal.
Wachsende Pilgerwege.

Ora et labora als alleinige
Sinnhaftigkeit als Ziel:
tiefe Kontemplation.
Entschleunigt, besinnlich:
stetes Gelingen; Gestaltung
aus eigenem Glauben.

Skepsis über die nahe Zukunft
jener Menschheit; Beten als
einziger Rettungsanker.
Sicherheit nur noch im Wald.
(Oder vielleicht im Gebirge):
Eben nur hier ausharren.

Aus den leuchtend stahlblauen
Augen strömend: die Zuversicht
gefühlter Langlebigkeit
Verkündete Pläne: noch mehr
Glauben, deutliche Sichtbarkeit
und lebendige Gewißheit.

Doch dann ganz unerwartet die
Nachricht: für immer eingeschlafen,
mit sich und der Welt im Reinen.

Daß alles (oder Teile davon)
auch anders sein könnte:
gewiß unvorstellbar für
all jene, die in ihrem Leben
nur einfachen Gedanken
endlos und ängstlich frönen.

Bodenverhaftet: Fortsetzung des
Pulsschlags durch lebende Natur
Hauch an Erinnerung.

Taktschläge von: es ist vollbracht.

Über den Wipfeln der schwärzende
Gesang edler Krähenvögel jedoch
als Fortsetzung.

(Fagusarua 28.11.2020)


Das eben ist die große Selbsttäuschung, der wir uns hingeben, dass wir den Tod in die Zukunft verlegen: Zum großen Teil liegt er schon hinter uns, alles vergangene Leben liegt im Banne des Todes.

Seneca, Briefe an Lucilius




Familienidyll
(Schwanengesänge)

Morgennebel über den Sinnen
Geborgen in den Armen der Natur
Dem Lauf des Werdens folgend
Beschützt im warmen Nest geboren
Behütet langsam die Welt entdecken
Eigene Kreise zunehmend größer ziehen
Von eigenen Eltern lernen können
Durch sie zwanglos Leben begreifen
Allmählich dann weitere eigene Kreise
In Selbständigkeit still hineinwachsen
Schwanenweiß auf dem Gewässer
Gemüt und Herzspiel ruhigend
Familie als Stimmigkeit im Stillen
Einklang mit lebendiger Natur

Besuche der Schwanenfamilie
Lebendigkeit wiederholt erleben
Ihre Gesänge als Herzensmelodie
Ihr stetes Annähern als ein Geschenk
Nähe und gesunde Distanz zugleich
Sehnsüchte einfach so wachhalten

(Fagusarua 03.12.2020)









That's it for the time being ...